Bundesamt für Statistik: Dritter statistischer Sozialbericht Schweiz 2019 weist auf steigende Armut in der Schweiz hin

Wie Caritas anhand der Zahlen des BFS darlegte, steigt die Armut in der Schweiz seit 2014 kontinuierlich an – und dies trotz guter wirtschaftlicher Konjunktur. So ist heute etwa jede zwölfte Person in der Schweiz von Armut betroffen. Dieser unerfreuliche Trend steht in Widerspruch zur Zielsetzung der Halbierung der Armut in den kommenden 10 Jahren – zu welcher sich die Schweiz in der globalen Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung (laut Sustainable Development Goals der UNO) verpflichtet hat. Laut dem mitveröffentlichten Sozialbericht des BFS sind überdurchschnittlich oft Alleinerziehende, Personen ohne nachobligatorische Bildung und allein Lebende betroffen. Zu den grössten Armutsrisiken zählen fehlende Bildung, Verlust der Arbeitsstelle, kleine oder mehrere Kinder sowie Trennung und/oder Scheidung.

Somit ist besonders für alleinerziehende Mütter und ihre Kinder die Gefahr gross, von prekären Lebensumständen betroffen zu sein. Aufgrund der knappen und oftmals teuren familienergänzenden Betreuungsangebote können Betroffene häufig nur Teilzeit arbeiten und verfügen daher nur über begrenzte finanzielle Ressourcen. Von diesen ungünstigen Umständen sind gegen 70'000 Kinder in der Schweiz betroffen. Ferner zeigt sich Armut auch darin, dass Betroffenen oft die Mittel fehlen, um am kulturellen und sozialen Leben teilzuhaben. Diese Form der Armut ist auch besonders häufig für die soziale Ausgrenzung verantwortlich.

Die Caritas zeigt daher auf, dass Armut nicht als marginales Problem zu verstehen ist und stattdessen als sozialpolitische Herausforderung zu betrachten ist. Weiter fordert die Caritas den Bund auf, die Armutspolitik nicht den Kantonen und Gemeinden zu überlassen, sondern eine landesweite Armutsstrategie gemeinsam mit Kantonen und Gemeinden zu erarbeiten. Dabei sollen in Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Organisationen und Armutsbetroffenen verbindliche Ziele und Massnahmen definiert und umgesetzt werden. Zentrale Anliegen sind die Existenzsicherung, soziale Teilhabe, kontinuierliche Bildungsmöglichkeiten und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Berichterstattung des Bundsamts für Statistik:
Medienmitteilung, 04.07.19
Statistischer Sozialbericht 2019, 04.07.19
Statistische Grundlagen, 04.07.19

Pressemitteilung:
Caritas, 04.07.19

Medienberichte:
SRF, 04.07.19
Tages-Anzeiger, 04.07.19