Rückblick: Dialoganlass "Gelingende Elternzusammenarbeit im Kontext der Armutsprävention in der frühen Kindheit"

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Ziel der zweisprachigen Podiumsveranstaltung in Olten war die gemeinsame Diskussion mit Vertretenden der Zivilgesellschaft, Behörden sowie Aus- und Weiterbildungsinstitutionen zu Herausforderungen und Chancen für eine gelingende Elternzusammenarbeit im Kontext der Armutsprävention. Zudem zielte die Veranstaltung auf die Vernetzung von Akteuren aus den Bereichen Soziales und Bildung mit Schnittstellen zum Frühbereich ab. Die Veranstaltung leistete einen Beitrag zur Reflexion und Verankerung der Inhalte der im Rahmen des NAP erarbeiteten Fokuspublikation "Armutsprävention. Aspekte und Bausteine gelingender Elternzusammenarbeit im Kontext der Armutsprävention in der Frühen Kindheit".

Isabelle Villard Risse, Leiterin "Frühe Förderung" im NAP des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV), richtete ein Grusswort an die Teilnehmenden und zeigte auf, weshalb Investitionen in die frühe Kindheit für die Armutsbekämpfung von zentraler Bedeutung sind. Im ersten Teil der Veranstaltung gingen Heidi Simoni, Leiterin des Marie Meierhofer Instituts für das Kind, und Kristien Mouysset, Leiterin des Projekts Copilot bei Caritas Zürich, in ihren Input-Referaten auf verschiedene Fragestellungen zur Elternzusammenarbeit im Kontext der Armutsprävention in der Frühen Kindheit ein.

Zudem konnten Poster zu verschiedenen Projekten, die sich in unterschiedlicher Form mit Elternzusammenarbeit und Armutsprävention in der frühen Kindheit befassen, besichtigt werden. Zu folgenden Projekten wurden Poster präsentiert: "Erreichbarkeit von sozial benachteiligten Familien in der Mütter- und Väterberatung"; das Frühförderprogramm «ping:pong» von a:primo; migesplus, das Portal für Gesundheitliche Chancengerechtigkeit des Schweizerischen Roten Kreuzes; FemmesTische "Frauen sprechen über Gesundheit, Erziehung und Prävention"; Quentins "Qualitätsentwicklung in Spielgruppen" und das Projekt "Presa in carico in rete di famiglie vulnerabili i cui bambini sono inseriti in servizi per la prima infanzia" sowie das Projekt "Tipì – Übergänge in der frühen Kindheit gemeinsam gestalten" der SUPSI - Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana.

Heidi Simoni: Chancen guter Elternzusammenarbeit in der frühen Kindheit – Sicht auf Kinder und Familien

Heidi Simoni thematisierte sowohl Inhalte der Fokuspublikation "Armutsprävention – Aspekte und Bausteine gelingender Elternzusammenarbeit im Kontext der Armutsprävention in der Frühen Kindheit" als auch der Fokuspublikation "Integration - Aspekte und Bausteine qualitativ guter Integrationsarbeit in der Frühen Kindheit".

Sie wies darauf hin, dass die Integration in die Gesellschaft für jedes Kind von zentraler Bedeutung ist und sich jedes Kind willkommen fühlen möchte. Die frühe Kindheit bietet die Chancen, Brücken zwischen verschieden Gesellschaftsgruppen zu bauen, da die Offenheit in dieser Lebensphase grösser ist als in späteren Phasen.

Chronische Armut wirkt lähmend und führt zur Unfähigkeit der betroffenen Familien, Pläne zu schmieden. Kinder erleben armutsbetroffene Eltern in einer ohnmächtigen Situation. Wenn sie sich Kinder chronisch Sorgen machen müssen, ist dies jedoch nicht förderlich für ihre Entwicklung. So streicht auch der Armutsbericht der Stadt Basel heraus, dass die Armutssituation jene weniger belastet, die Wahlchancen haben. Letztlich ist Bildung der zentrale Faktor, um Perspektivenlosigkeit zu verhindern.

Heidi Simoni verwies zudem auf Artikel 2 der UN-Kinderrechtskonvention (UN-KRK), der jedem Kind ein Recht auf Schutz vor Diskriminierung in jeder Form zugesteht. Des Weiteren verdeutlicht Artikel 18 der UN-KRK, dass in erster Linie die Eltern für die Erziehung verantwortlich sind, der Staat jedoch verpflichtet ist, sie darin zu unterstützen und Artikel 28 gesteht jedem Kind – unabhängig von seinem sozioökonomischen Status – ein Recht auf Bildung zu. Artikel 31 geht noch einen Schritt weiter, indem er jedem Kind ein Recht auf Freizeit und Spiel sowie auf die volle Beteiligung am kulturellen und künstlerischen Leben zugesteht.

Auch das von der UNO beschlossene und seit 1. Januar 2016 in Kraft getretene Ziel für nachhaltige Entwicklung (SDG) Nummer 4.2 beinhaltet die Forderung, dass bis 2030 sichergestellt ist, dass alle Mädchen und Jungen Zugang zu hochwertiger frühkindlicher Erziehung, Betreuung und Vorschulbildung erhalten, damit sie auf die Grundschule vorbereitet sind.

Da Familien jedoch genauso einen Teil zur frühkindlichen Bildung Betreuung und Erziehung leisten wie Bildungs- und Betreuungsinstitutionen, ist es für Fachpersonen von zentraler Bedeutung, den Eltern auf Augenhöhe zu begegnen, und sich bewusst zu werden, dass die eigene Wertehaltung das Handeln beeinflusst. Will man gegenseitig voneinander lernen, bedingt dies auch, das eigene Einstellungen hinterfragt werden. Die Rolle der Eltern muss in jedem Fall respektiert werden, damit bei den Eltern die Selbstwirksamkeit bzw. die Überzeugung, dass man fähig ist, eine bestimmte Aufgabe selbst auszuführen, gefördert wird und Eltern sich über ihre Kinder und deren Entwicklung freuen können.

Kristien Mouysset - Elternzusammenarbeit zur Förderung von Bildungschancen

Kisten Mouysset betonte in ihrem Referat, dass Armut auch in der Schweiz eine Realität ist. Besonders betroffen sind Alleinerziehende, Niedrigqualifizierte, kinderreiche Familien und Personen ohne Schweizer Pass. Der familiäre Hintergrund kann den Bildungsverlauf eines Individuums erheblich beeinflussen. Aufgrund mangelnder Ressourcen können armutsbetroffene Eltern sich in der Regel weniger auf die Entwicklung und die Förderung ihrer Kinder fokussieren als privilegierte Eltern. Um die Bildungschancen armutsbetroffener Kinder ganzheitlich zu fördern, ist deshalb eine Zusammenarbeit mit ihren Eltern essentiell.

Das Projekt Copilot arbeitet mit sozial benachteiligten Familien, die mindestens ein Kind im Alter von 3-8 Jahren haben. Alle teilnehmenden Eltern melden sich freiwillig. Copilot vermittelt den Eltern eine freiwillige Begleitperson, die sie sehr individuell unterstützt (Copilotinnen und -piloten). Die Freiwilligen besuchen die Familien in ihrem Zuhause zwei Mal im Monat während eines Jahres. Das Ziel besteht darin, den Kindern einen guten Einstieg in ihre Bildungsbiografie zu ermöglichen, und ihre Bildungschancen zu verbessern.

Die Freiwilligen haben ein offenes Ohr für die Fragen der Eltern und bringen ihnen in kleinen Schritten das Schulsystem nahe. Zudem sprechen die Freiwilligen mit den Eltern Möglichkeiten der Förderung der Kinder im Alltag oder das Thema Freizeitgestaltung an. Bei weiterführenden Fragen stellen die Freiwilligen Kontakte zu Beratungsstellen oder anderen Fachstellen her.

Elternzusammenarbeit ist ein Prozess, der sich durch wechselseitigen Dialog auszeichnet. Die Eltern gestalten den Prozess mit, indem sie selbst Themen einbringen. Die Freiwilligen im Projekt Copilot geben aber auch Einblicke in ihr eigenes Leben, was die begleiteten Familien sehr schätzen. Die komplexen, abstrakten Themen müssen, sowohl sprachlich als auch inhaltlich, runtergebrochen werden, wobei es oft um praktische Fragen geht, zum Beispiel: "Was muss mein Kind können, wenn es in den Kindergarten geht?".

Für viele Familien ist die freiwillige Begleitperson die einzige Person ausserhalb der Familie, die sich regelmässig in ihrer Freizeit mit ihnen trifft. Durch eine gute Vorbereitung zum Beispiel auf Gespräche machen die Eltern die Erfahrung von Selbstwirksamkeit und haben Erfolgserlebnisse. Die Freiwilligen vermitteln den Familien auch, wie sie sich selbst Informationen zu Herausforderungen oder Fragen beschaffen können.

Armutsbetroffene Familien leben häufig isoliert und ihr Vertrauen muss erst gewonnen werden. Hilfreich ist hier die Zusammenarbeit mit dem Umfeld, mit anderen Fachstellen, Projekten und Institutionen, mit denen die Familien schon im Kontakt sind. So etwa die Mütter- und Väterberatung, Schulsozialarbeitende, Schulpsychologische Dienste, Kitas oder die sozialen Dienste, die als Türöffner fungieren.

Eine freiwillige Begleitperson kann in unsicheren Zeiten, wie z.B. Wohnungs- oder Jobverlust, zu einer wichtigen Bezugsperson werden, die Halt bietet und für eine gewisse Konstanz sorgt. Eltern schätzen es, wenn sich jemand Zeit nimmt und ihnen wichtige Informationen z.B. zur Schule oder zum Bildungssystem nochmals mündlich vermittelt. Eine Zusammenarbeit mit Eltern ist nur möglich, wenn ausreichende zeitliche Ressourcen zur Verfügung stehen – und zwar auf beiden Seiten.

Elternzusammenarbeit entfaltet ihre Wirkung, wenn man den Eltern auf Augenhöhe begegnet. Wichtig ist, dass die Sichtweisen und Lösungsvorschläge der Eltern in die Zusammenarbeit mit einbezogen werden. Nur so können die Freiwilligen verstehen, was die Gründe für das Verhalten der Eltern sind, wobei Fortschritte der Eltern gewürdigt und sichtbar gemacht werden. Die Freiwilligen haben eine wertschätzende Haltung gegenüber Vielfalt. Sie informieren anstatt zu bewerten und respektieren die elterlichen Entscheidungen.

Die Reflexion, von freiwilligen Begleitpersonen wie auch von Fachpersonen über die Zusammenarbeit mit den Eltern ist wichtig, um seine eigenen Bilder immer wieder zu hinterfragen, neue Ideen zu erhalten und auch einmal die Perspektive zu wechseln. Durch Schulungen werden Freiwillige oder Fachleute gestärkt, sie erhalten Instrumente und einen Reflexionsrahmen, wodurch sich Frustrationen und Stigmatisierungen vermeiden lassen. Auch ein Verständnis für die schwierige sozioökonomische Situation von Familien ist in der Zusammenarbeit sehr hilfreich. Denn manchmal sind für armutsbetroffene Familien die kleinsten Sachen eine grosse Herausforderung.


Thementische zu den Bausteinen gelingender Elternzusammenarbeit im Kontext der Armutsprävention

Im zweiten Teil der Veranstaltung wurden die Bausteine der Fokuspublikation "Armutsprävention" im Rahmen von Thementischen vertieft.

Zugang ermöglichen und Lebenswelten einbeziehen (Bausteine 1 und 2),

Beim ersten Thementisch wurde unter der Moderation von Anke Moors, Co-Geschäftsführerin von a:primo, die Thematik der "Ermöglichung von Zugängen zu Angeboten der frühen Kindheit" diskutiert.

In diesem Themenfeld geht es um das Erkennen und Abbauen von Zugangsbarrieren zu Angeboten. Zugangsbarrieren wie Öffnungszeiten oder finanzielle und administrative Hürden; um Eintrittshürden abzubauen sind z.B. Schlüsselpersonen bedeutend, die eine vertrauensvolle Beziehung zu den Familien herstellen, als auch finanzielle Investitionen in Angebote der frühen Kindheit (Baustein 1, S. 24-25). Im zweiten Baustein werden aufsuchende Ansätze thematisiert, wo Fachpersonen lokale Strukturen wie Praxen von Kinderärzte, Spielecken von Supermärkten, Vereine und bestehende soziale Räume wie Kindertagesstätten und Spielgruppen, Spiel- und Begegnungsorte, Familienzentren oder Quartiertreffs nutzen, um die Eltern zu erreichen (Baustein 2, S. 26-27).

Als wesentliche Faktoren für die Verbesserung von Zugangschancen zu Angeboten der frühen Kindheit wurde die Vernetzung von Fachpersonen und Organisationen genannt, die nach wie vor als mangelhaft empfunden wird. Informationen müssen in einer einfachen Sprache zugänglich sein oder mündlich, durch aufsuchende Tätigkeiten, an die Eltern vermittelt werden. Dabei ist es lohnenswert, Eltern dort aufzusuchen, wo sie sich aufhalten, da die meisten Projekte auf Freiwilligkeit basieren und voraussetzen, dass die Zielgruppe die Projekte kennt. Angebote sollten regelmässig stattfinden und dezentral angeboten werden, sie sollten unverbindlich und freiwillig sein und es müssen ausreichend zeitliche Ressourcen zur Verfügung stehen. Als zentraler Faktor wurde zudem die Sensibilisierung und Qualifikation der Fachpersonen genannt. Zudem ist man oft mit Herausforderungen struktureller bzw. finanzieller Art konfrontiert. So werden Programme teilweise nur für spezifische Gruppen, z.B. Migrantinnen und Migranten, angeboten, obwohl verschiedene Bevölkerungsgruppen armutsbetroffen sind.

Begegnung und Kommunikation auf Augenhöhe (Bausteine 3 und 4)

Der zweite Thementisch wurde von Heidi Simoni, Leiterin des MMI, moderiert und widmete sich der Thematik der «Begegnung und Kommunikation auf Augenhöhe»

Baustein 3 der Fokuspublikation «Armutsprävention» thematisiert den respektvollen, partnerschaftlichen und transparenten Umgang von Fachpersonen und Eltern. Es ist wichtig, dass vielfältige Familienverhältnisse respektiert werden, was mit der persönlichen Einstellung der Fachpersonen in Verbindung steht. Ebenso ist wichtig, dass auf die Ressourcen der Eltern fokussiert wird und zeitliche Ressourcen für die Vertrauensbildung zwischen Eltern und Fachpersonen zur Verfügung stehen (Baustein 3, S. 28-29). Baustein 4 beinhaltet die Kommunikation auf Augenhöhe mit den Eltern, was bedingt, dass eine gemeinsame Sprache gesprochen wird bzw. auf Fachjargon verzichtet und sprachliche und kulturelle Übersetzungsleistungen zurückgegriffen wird, die Kommunikationsart der Situation angepasst wird sowie technische und mediale Hilfsmittel genutzt werden (Baustein 4, S. 30-31).

Um den Eltern in der Zusammenarbeit mit ihnen auf Augenhöhe zu begegnen, ist es zentral, dass Zeit für den Aufbau einer Vertrauensbeziehung zu den Familien da ist. Zudem sollte man sich bewusst sein, dass es gewisse Faktoren gibt, wie z.B. prekäre Arbeitsverhältnisse von Eltern, die die partnerschaftliche Begegnung von Eltern und Fachpersonen erschweren. Des Weiteren wurde die Wichtigkeit von kulturellen Vermittlern für die Elternarbeit betont um Missverständnisse zu verhindern und wie wichtig es ist, auch den armutsbetroffenen Eltern selbst Bildungschancen zu ermöglichen. Letztlich wurde das Thema "Freiwilligenarbeit" aufgegriffen und darauf hingewiesen, dass das freiwillige Engagement in der Elternzusammenarbeit oder zur besseren Erreichung bestimmter Zielgruppen auch monetär entschädigt werden sollte.

Perspektiven mit Familien gemeinsam entwickeln (Baustein 5)

Der dritte Thementisch widmete sich dem Thema "Perspektiven mit Familien gemeinsam entwickeln" und wurde von Kristien Mouysset, Leiterin des Projekts Copilot, Caritas Zürich moderiert.

Baustein 5 der Fokuspublikation «Armutsprävention» beinhaltet die gemeinsame Entwicklung von greifbaren und umsetzbaren Ideen und Perspektiven für Eltern zusammen mit den Fachpersonen (Baustein 5, S. 32-33).

In diesem Workshop wurde betont, dass die Fachleute offen sein sollten für die Bedürfnisse der Familien und man sich bewusst sein sollte, dass sich ein gewisses Machtgefälle ergeben kann, weil die Fachperson aufgrund ihres Fachwissens über einen Wissensvorsprung verfügen kann. Der Fokus sollte darauf gerichtet werden, wie Versorgungsketten zwischen verschiedenen Anbietern aus dem Bildungs- Sozial- und Gesundheitsbereich sichergestellt werden können und Konkurrenzverhältnisse zwischen Anbietern ähnlicher Dienstleistungen in den Hintergrund gestellt werden. Wichtig sei es zudem, dass gemeinsame Erfolge gefeiert, Ressourcen benannt und die Familien letztlich befähigt werden, eigene Perspektiven zu entwickeln und Entscheidungen, die ihre Situation und Lebenswelten betreffen, selbst zu fällen (Empowerment).

Angebote und Fachpersonen vernetzen (Baustein 6)

Der dritte Thementisch widmete sich dem Thema "Vernetzung der Angebote und Fachpersonen" und wurde von der Moderatorin des Dialoganlasses, Viviane Dubath übernommen.

Beim Baustein 6 geht es um die Vernetzung von Angeboten und Fachpersonen, damit an errungenen Erfolgen angeknüpft werden kann und der Wissenstransfer gewährleistet ist. Dafür braucht es die dauerhafte Bereitstellung von Gefässen und Ressourcen zur Vernetzung, z.B. durch Kantone und Gemeinden, oder Informationsplattformen die von zivilgesellschaftliche Organisationen angeboten werden (Baustein 6, S. 34-35).

Als wichtige Faktoren wurden hier die individuelle Vernetzung von isolierten Eltern mit anderen Eltern und Fachpersonen, die institutionelle "Querschnittsvernetzung" zwischen verschiedenen Angeboten und die Vernetzung bei individuellen Übergängen von einem Angebot zum nächsten (z.B. zwischen der Mütter- und Väterberatung und der Kita oder der Kita und der Schule). Zudem wird die interdisziplinäre Vernetzung zwischen dem Gesundheits-, Sozial- und Bildungsbereich als zentral erachtet. Damit die Vernetzung gelingt, müssen dafür finanzielle Ressourcen bei Fachstellen und Angeboten eingeplant werden und auch die Behörden – insbesondere die Kantone – sollten die Vernetzung im Frühbereich fördern.

Fazit

In der moderierten Plenumsdiskussion am Ende des Dialoganlasses stellten die LeiterInnen der Thementische die jeweiligen Erkenntnisse und Fazits vor. Die Fokuspublikation "Armutsprävention" bietet für die Fachwelt eine nützliche Grundlage um sich mit Inhalten, Zweck und Anforderungen einer gelingenden Elternzusammenarbeit auseinanderzusetzen und in der Praxis umzusetzen. Damit dies auch geschieht, braucht es jedoch Investitionen in die Kommunikationsarbeit (Vertrieb und Meinungsbildung) rund um die Fokuspublikation. Diese umfasst sowohl EntscheidungsträgerInnen (Politik, öffentliche Hand, Fachstellen) als auch MultiplikatorInnen (Fachverbände, interdisziplinäre Aus- und Weiterbildung), die mit dem Kind und den Familien in Berührung stehen. Auch die TeilnehmerInnen des Dialoganlasses können ihre Kommunikationskanäle nutzen, um auf die Fokuspublikation hinzuweisen und deren Inhalte zu vertreiben.

Vernetzung und Koordination auf allen Ebenen ist ein erwiesener und wesentlicher Erfolgsfaktor für eine wirkungsvolle Elternzusammenarbeit im Kontext der Armutsprävention in der frühen Kindheit. Vernetzung und Koordination erfordern aber auch notwendige Investitionen in die Entwicklung und Implementierung der FBBE. Damit Vernetzung und Koordination zustande kommen können, braucht es adäquate Gefässe (wie z.B. Dialogveranstaltungen, Weiterbildungsseminare, etc.) für einen regelmässigen Austausch zwischen den zuständigen Stakeholder sowie Steuerungsinstrumente. Die Rahmenbedingung sind jedoch selten gegeben, sodass in der Tat die Vernetzung, Koordination und erfolgreiche Synergien oft vom Wohlwollen der einzelnen Akteure abhängt und dem Zufall überlassen wird. Hier besteht auch Handlungsbedarf und Überzeugungsarbeit, damit die öffentliche Hand die Vernetzung und Koordination als gemeinnützige Aufgabe wahrnimmt und aktiv fördert.

Solche interdisziplinären Austausche auf nationaler Ebene dienen auch der Entwicklung eines gemeinsamen Verständnisses des Begriffs FBBE aus der Perspektive des Kindes und welche Forderungen sich daraus für die jeweiligen Stakeholder ableiten lassen. Aufgrund des mehrsprachigen, vielfältigen und föderalistischen Kontexts ist es umso anspruchsvoller, sich im Meinungsbildungsprozess und dessen Gouvernance auf eine Vision und eine Strategie zu einigen. Dazu braucht es eine gemeinsame "Sprache", welche sich durch den regen Austausch über das eigene Fachgebiet hinaus ergibt.

Diese Herausforderungen verlangen nach einem Paradigmenwechsel bei der Gestaltung von Rahmenbedingungen: Anstatt problemorientiert zu handeln, soll von den verfügbaren Ressourcen und den Grundrechten des Kindes ausgegangen werden.

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