TAK-Fachtagung: Bilanz zum Integrationsdialog "Aufwachsen – gesund ins Leben starten"

Im Campus Liebefeld des Bundesamts für Gesundheit wurden rund 120 Teilnehmende aus der Bundesverwaltung, den Verwaltungen der Kantone und Gemeinden sowie aus zivilgesellschaftlichen Organisationen zur Tagung empfangen. Der Anlass brachte den 2013 lancierten TAK-Integrationsdialog "Aufwachsen - Gesund ins Leben starten" zu einem gelungenen Abschluss und bot gleichzeitig neue Vernetzungsmöglichkeiten sowie Inputs für notwendige Aktivitäten im Bereich Frühe Kindheit. Deutlich wurde auch der Bedarf nach mehr Austausch und Kooperation zwischen den Bereichen Frühe Förderung, Gesundheit, Integration, Soziales und Bildung sowie zwischen den zahlreichen Akteuren, die sich mit der Thematik Frühe Kindheit befassen.

Die Tagung wurde durch Grussworte und Einführungsreferate der Berner Gemeinderätin Franziska Teuscher, Direktorin für Bildung, Soziales und Sport, und der Zürcher Regierungsrätin Jacqueline Fehr, Direktorin der Justiz und des Innern, eingeläutet.

Gemeinderätin Franziska Teuscher präsentierte das 2007 als Pilotprojekt initiierte und 2017 in ein Regelangebot überführte Projekt "primano" der Stadt Bern. Der Erfolg des Projekts liegt in seiner breiten Abstützung und der Vernetzung aller relevanten Akteure und Angebote innerhalb der Quartiere. In den Quartieren wurden Anlaufstellen geschaffen, die den Eltern bei Fragen zur Frühen Förderung Auskunft bieten. Für Familien mit erhöhtem Förderbedarf wurde zudem mit der Lancierung des Hausprogramms "schritt:weise" eine engere Begleitung ermöglicht.

Regierungsrätin Jacqueline Fehr würdigte danach in ihrem Referat die Errungenschaften des TAK-Integrationsdialogs "Aufwachsen – Gesund ins Leben starten": Als Gremium von Bund, Kantonen und Gemeinden und in Zusammenarbeit mit Branchenverbänden, der Zivilgesellschaft und Fachakteuren hat der Dialog dem Thema Frühe Kindheit mehr Gewicht verliehen, den Informationsaustausch zwischen den involvierten Stellen gefördert und die zahlreichen existierenden Angebote, Aktivitäten und Programme im Frühbereich sichtbarer gemacht.

Anschliessend referierte Prof. Dr. Martin Hafen der Hochschule Luzern zum Thema "Prävention in der ersten Lebensphase". Sein Fazit: Der Frühbereich ist ein zentrales Handlungsfeld der Prävention, weil in diesem Lebensabschnitt der Kinder die Grundlagen für eine gesunde körperliche und psycho-soziale Entwicklung gelegt werden. Aus staatlicher Sicht lohnen sich Investitionen in die Frühe Kindheit daher, um die Sozialhilfe- und Gesundheitskosten zu reduzieren und für die Förderung der Integration sozial benachteiligter Familien.

Auch Prof. Dr. Armin Sohns der Hochschule Nordhausen forderte in seinem Referat die Stärkung einer träger- und themenübergreifenden Herangehensweise bei den Angeboten im Frühbereich: Anstatt fachspezifischer Einzelangebote aus dem medizinischen, pädagogischen und therapeutischen Bereich, die von unterschiedlichen Verwaltungssystemen organisiert und finanziert werden, sollte auf netzwerkorientierte Gesamtangebote fokussiert werden, die eine gesamtheitliche Förderung des Kindes in den Mittelpunkt stellen.

Adja Waelput des Erasmus University Medical Center Rotterdam legte schliesslich dar, dass die gesundheitliche Entwicklung des Kindes bereits massgeblich bei seiner Empfängnis und in der vorgeburtlichen Phase geprägt wird und ein Zusammenspiel medizinischer, sozialer und sozioökonomischer Aspekte das Vorhandensein von Gesundheitsungleichheit bestärkt. Im Rahmen des von ihr geleiteten Programms "Healthy Pregnancy 4 All" wird diese Problematik interdisziplinär angegangen und ein Betreuungsangebot für Frauen in gefährdeten Bevölkerungsgruppen in sozial benachteiligten Stadtteilen errichtet.

Im zweiten Teil der Tagung luden von ExpertInnen geleitete Workshops zu den Themen "Schwangerschaft und Migration", "Qualitätsstandards", "Koordination", "Integration" und "Gesundheit von Kleinkindern" zu einer vertieften Diskussion zentraler Fragestellungen an der Schnittstelle zwischen integrations- und familienpolitischen Themen und Praxisbeispielen. Die anwesenden Fachleute tauschten Erfahrungen und good practices aus und formulierten ihre Bedürfnisse hinsichtlich einer verstärkten transdisziplinären Vernetzung.

An der abschliessenden Podiumsdiskussion diskutieren VertreterInnen der Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene sowie der TAK zum Thema "Fehlende Integration in der Frühen Kindheit: Was steht auf dem Spiel?".Die Diskussionsrunde war sich einig: Es steht einiges auf dem Spiel. Insbesondere war man sich einig, dass Investitionen in die Frühe Kindheit um ein Vielfaches effektiver und effizienter sind als spätere "Reparaturmassnahmen" aufgrund verpasster Früher Förderung.

Aus einer übergeordneten Perspektive wurde in der Podiumsdiskussion postuliert, dass Integration in der Frühen Kindheit sich für eine Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhangs lohnt. Und schliesslich wurde auch darauf hingewiesen, dass Investitionen im Frühbereich ein „Integrationsmotor“ für die ganze Familie und die vielfach schwerer zu erreichenden Eltern sind: Die Inanspruchnahme von Angeboten der Frühen Förderung durch die Kinder führt nämlich dazu, dass auch die Eltern mehr Kontakt zu den betreffenden Institutionen haben. Hieraus folgte eine zentrale Handlungsempfehlung: Die immer noch vorhandenen Zugangshemmnisse für Familien mit Migrationshintergrund zu Angeboten der Frühen Förderung müssen abgebaut werden.

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